PAINTSCHAINER Test – Kolorations Software

PAINTSCHAINER Test – Kolorations Software im Test. Illustratoren und Comiczeichner diskutieren gerade über die neue Kolorations-Software PAINTSCHAINER, die s/w oder Lineart Bilder selbst koloriert.

Wird Software die Arbeit und Fähigkeiten eines Illustrators oder Mangazeichners in Zukunft ersetzen? Kann eine Maschine oder Software das Handwerk und das Talent eines Künstlers ersetzen?

Wir kennen die ganzen Photoshop, Instagram, Twitter etc. Filter, die unsere Fotos und Zeichnungen aufwerten und einen neuen Look verschaffen. Diese Filter werden von Jahr zu Jahr besser. Zeichen- und Kolorations-Software wie CLIPSTUDIO oder PHOTOSHOP wird auch regelmäßig erweitert und verbessert. Allgemein ersetzen Maschinen und Software immer mehr menschliche Tätigkeiten. Ist das unsere Zukunft? Ist das ein guter Fortschritt?

Eine Software, die per Knopfdruck eine Zeichnung koloriert. Das wäre für viele Zeichner ein Traum und gleichzeitig für viele andere Zeichner ein Alptraum. Die MANGA Software Firma TAIZAN entwickelt gerade eine neue Software, die das genau kann. Eine Online Version der Kolorations-Software PAINTSCHAINER ist veröffentlicht worden und auf Twitter kann man zahlreiche Bild Ergebnisse unter dem Hashtag #paintschainer finden.

Wir sind neugierig geworden und wollten selbst mal die Software testen. Für unseren Test hat uns die professionelle Mangazeichnerin und Illustratorin NILOO einige ihrer Bilder zur Verfügung gestellt. Außerdem haben wir es auch mit einem einfach s/w Cartoonbild ausprobiert.

PAINTSCHAINER Test – Kolorations-Software 2017

Die PAINTSCHAINER Website ist ziemlich schlicht gehalten und die Kolorations-Funktion hat sich schnell von selbst erklärt. Bild hochladen und COLORIZE Button drücken.

Das erste Problem: man kann nur Bilder unter 1MB automatisch kolorieren. Für einen professionellen Gebrauch ist das zu wenig. Druckvorlagen und Zeichnungen für eine professionelle Bearbeitung sind deutlich höher in der Dateigröße. Professionelle Comiczeichner und Illustratoren arbeiten meistens mit Dateien, die sich zwischen 300 – 1200 dpi groß sind und meistens die 10MB überschreiten.

Wir haben es also mit einer Datei unter 1MB ausprobiert. Eine Mangaseite (mit Raster und Details) und eine Manga Zeichnung (kolorierte Lineart). Hier das Ergebnis:

paintschainer test

Mangaseite von Niloo – hier sieht man große Schwierigkeiten in den Details und Rasterung. Die Koloration wirkt sehr verwaschen und ungenau.

Manga Lineart Illustration von Niloo – hier hat die Software wieder Probleme mit Details. Die große Hautfläche wurde gut erkannt, außer an einigen Stellen (z.B. Auge). Hat man das kolorierte Endergebnis, kann man am Original Bild online malen und den COLORIZE Button wieder betätigen. So erhält man ein neues Ergebnis und kann einiges verbessern, aber man hat keine echte Kontrolle. Wenn ich z.B. am Auge des Original-Bildes ein wenig weiße Farbe male, um das blaue Auge in der kolorierten Version verschwinden zu lassen, dann verfärbt sich das ganze Bild in Richtung weiß.

Wie ihr sehen könnt, das Ergebnis ist nicht so schön und die Farben sehr verwaschen. Das Kolorations-System der Software PAINTSCHAINER neigt zu verwaschenen Farbüberläufen. Ein sogenannter Batik-Effekt. Für sehr einfache Zeichnungen mit einfacher Lineart könnte das funktionieren, aber alle Bilder würden zum Manga-Stil und Genre  „Shojo“ oder „Romance“ transformiert werden.

An die Kolorations-Arbeit eines professionellen Künstlers kommt die Software nicht ran. Natürlich kann sich das in einigen Jahren ändern, aber wir denken und sind davon überzeugt, eine Koloration einer Illustratorin wie Niloo kann keine Maschine ersetzen, da ihre Art zu kolorieren sehr komplex und aufwendig ist. Sie benutzt verschiedene Techniken, verschiedene Stifte und jedes Bild ist anders angelegt. Es gibt keinen ultimativen Weg, keine Geheimformel, die man für eine richtig schöne Koloration anwenden kann oder eine Software übernehmen kann.

Zum Vergleich, hier das Original Bild der Künstlerin Niloo:

Vielleicht war die Lineart zu kompliziert? Das haben wir uns gefragt und haben für einen weiteren Test eine Zeichnung in einem einfachen Comic-Zeichenstil genommen und das Ergebnis:

Sieht auch nicht sehr schön aus.

Fazit unseres PAINTSCHAINER Test 2017:

Im Moment ist die Software PAINTSCHAINER eine interessante Spielerei, aber mehr nicht. Ob sich das in den nächsten Monaten oder Jahren ändern wird? Wahrscheinlich, denn wir haben so etwas schon in anderen Bereichen erlebt.Es gibt zum Beispiel die Software ROTOSHOP oder VECTORMAGIC, die sogar von DISNEY genutzt wird. Mit VECTORMAGIC kann man zum Beispiel per Knopfdruck Strichzeichnungen in Vektorgrafiken verwandeln. Das Ergebnis ist erstaunlich gut und bei einfachen Strichzeichnungen fast 1zu1.

Wir sind gespannt wie sich die Technik entwickeln wird, aber sind auch überzeugt, keine Maschine oder Software wird jemals die individuellen Entscheidungen und Zufälle eines Künstlers bei seiner Arbeit ersetzen können. Wer nicht nur mit Software koloriert, sondern auch traditionell mit z.B. Tusche, Copics oder Aquarellfarben, wird immer einen Vorteil haben und eine ganz besondere Originalität.

Wenn ihr euch für weitere Themen aus dem Bereich Zeichnen, Malen, Comic-Mangazeichnen interessiert, dann besucht unsere COMICZEICHNER Website und abonniert unseren kostenlosen COMICZEICHNER Newsletter.

KOMMENTARE

Kommentare

Schreibe einen Kommentar