COMICS UND MANGA Die Graphic Novel retten

Nach der Schreckensmeldung des Egmont Verlags zum Thema Graphic Novel, fragen sich Comiczeichner, Leser und Verleger wie das passieren konnte. Was ist geschehen?

Der Egmont Verlag hat angeblich in den letzten drei Jahren es nur mit zwei Graphic Novels geschafft über 5000 Exemplare zu verkaufen. Damit sich das Graphic-Novel-Programm wirtschaftlich tragen konnte, mussten aber pro Jahr mindestens zwei Graphic Novels Verkaufszahlen von 5000 bis 10 000 Stück erreichen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. Wie konnte das passieren? Lag es an den Inhalten? An der Vermarktung? Am Vertrieb? Waren die Graphic Novels zu teuer? Liegt es an den Lesern? Im Moment wird viel analysiert und nach den Ursachen geforscht.

Doch nicht nur der Egmont-Ehapa Verlag hat Misserfolge mit dem Thema Graphic Novel zu verkünden. Viele Graphic Novels liegen wie Blei in den Regalen oder schaffen es gar nicht in die Buchläden.

GRAPHIC NOVEL ein Trend entsteht:

Vor einigen Jahren waren Graphic Novels der neue Comictrend. Sogar Redaktionen renommierter Zeitungen und TV Sendungen nahmen die Bildergeschichten ins Programm. Die Verfilmung zur Graphic Novel PERSEPOLIS der Zeichnerin und Autorin Marjane Satrapi sorgte für den großen Trend. Ihr hartes Schicksal verewigte sie in kindlichen schwarzweiß Bildern. Der Verlag entschied sich das Comic als Hardcover Band zu veröffentlichen. So prägte sie mit den Verlag den neuen und modernen Comic: autobiografisch, in einfachen schwarzweiß Zeichnungen und als Hardcover Ausgabe.

Die Medienwelt hatte eine neue Heldin. Autorin Marjane Satrapis Schicksal und ihre Verarbeitung in Comicform, dass als Film in die Kinos kam, war aus den Stoff woraus man gute Schlagzeilen machen konnte und für hohe Einschaltquoten sorgte.

Der große Verkaufserfolg von PERSEPOLIS kam durch die Verfilmung. Der Film war weltweit im Kino ein Hit. Plötzlich sprach jeder von Graphic Novels und die Nachfrage nach Graphic Novels stieg an. Alle Verlage stürzten sich auf Graphic Novels und auch die Buchhändler konnten es kaum abwarten die dicken Bilderbücher in die Regale zu stellen. Normalerweise freuen sich Buchhändler nicht über neue Titel, besonders nicht bei Comics oder Manga, denn sie verdienen kaum an einem Comic bzw. Manga, der nur zwischen 4 bis 10 Euro kostet. Aber die Graphic Novels kosteten und kosten zwischen 30 und 60 Euro.

Jeder Verleger träumte davon auch eine „Marjane Satrapi“ im Programm zu haben und so zog eine Welle von Comics mit tragischen und autobiografische Geschichten über das Land. Selbst Fachhändler waren mit der Anzahl an Graphic Novels überfordert. TV Produktionen planten zu Dokumentationen und Filme, direkt eine Graphic Novel zu realisieren. Da ich selbst im TV- und Filmbereich tätig bin und selbst an einigen dieser gezielten Graphic Novels Produktionen beteiligt war, kann ich ohne Probleme darüber berichten.

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Graphic Novels waren plötzlich schick und angesehen. Es war „echte“ Literatur und kein „Schund“ oder „Kinderkram“. Die Presse stürzte sich auf diesen Trend, wie sie sich auf alle Trends stürzt. Der deutsche Vorzeige Graphic Novel Künstler wurde Reinhard Kleist, der schnell bemerkte: mit Biographien von berühmten Menschen als Graphic Novel kann man mehr Geld verdienen als mit Vampir- und Horrorcomics.

Mit der Graphic Novel CASH schaffte Reinhard Kleist die internationale Aufmerksamkeit und schnell hatte er den Dreh raus. Zu aktuellen Themen und bekannten Persönlichkeiten zeichnet er regelmäßig schnell ein Comic in s/w. Zuletzt hat er das aktuelle Thema „Flüchtling“, „Olympiade“ und „Biografie“ raffiniert kombiniert.

Aber nicht jeder Comiczeichner und Verlag denkt so wirtschaftlich und produziert so gezielt. Und wie immer hat man den Trend überschätzt und den Markt mit Ware überschwemmt. Das passierte schon vor einigen Jahren mit Mangas. Als DRAGONBALL plötzlich im Fernsehen lief und der Carlsen Verlag sich traute den Manga dazu zu veröffentlichen, war das wie ein 6er im Lotto. Der Erfolg von DRAGONBALL setzte einen neuen Trend ein: MANGA.

GRAPHIC NOVELS Grund: Marktüberschwemmung

Doch anstatt auf Qualität zu setzen, überschwemmten die Verlage die Buchläden mit unzähligen Mangas, Manga-Magazine und Artbooks. Am Anfang lief alles gut, doch das änderte sich schnell. Dank neuen Anime Serien, die im Fernsehen liefen, konnte man hohe Auflagen zu den Manga Ausgaben der TV Serien verkaufen. Bis heute verkaufen sich nur Mangas in hohen Auflagen, die eine erfolgreiche TV Serie im Rücken haben. Alles andere schafft es selten über 5000 Exemplare. In Deutschland produzierte Mangas schaffen es kaum auf 2000 bis 3000 verkaufte Exemplare zu kommen.

Mit den Graphic Novels machte man den selben Fehler wie mit den Mangas. Man erkannte den Erfolg, doch nahm es nicht als Trend wahr, sondern als neue Chance, um neue und viele Graphic Novels in den Handel zu bringen und um diese teuer zu verkaufen.

Irgendwann ist jeder Trend zu Ende. Es folgten auch keine neuen erfolgreichen Verfilmungen von Graphic Novels und die Artikel in den Zeitungen über neue Graphic Novels, nahm auch kaum einer noch ernst.

GRAPHIC NOVELS Grund: zu teuer

Die Leser von Graphic Novels, die in erster Linie aus intellektuellen Lesern, Studenten und Lehrern bestand, hatten irgendwann genug von den Bildergeschichten, denn es ist schon ein teurer Spaß. Wenn eine Graphic Novel um die 30 Euro kostet, überlegt es man sich doch irgendwann, ob man doch lieber ein Taschenbuch für knapp 10 Euro oder eine Blu-Ray für 15 Euro kauft. Auch hat man es irgendwann Leid sich die Probleme und die traurigen Schicksale von Menschen in s/w Bildern anzusehen. Gleichzeitig wirken die meisten Graphic Novels in der Erzählstruktur sehr monoton, ohne Spannungsbogen und ohne dramatische Höhepunkte. Meistens sind es nur Momentaufnahmen und Situationen.

Als selbst die Graphic Novel Ikone Marjane Satrapi aufhörte Graphic Novels zu zeichnen, um lieber Regie bei Filme mit Hollywood Stars zu führen, war das Ende der Graphic Novels symbolisch offenbart.

Comics machen, produzieren, verlegen und verkaufen ist eine Kunst für sich. Wer erfolgreich Comics, Mangas oder Graphic Novels verkaufen möchte, muss sich schon um Storytelling, Zeichenqualität, Preisgestaltung und Marketing Gedanken machen. Ein Trend kann helfen ein Produkt einfacher und schneller zu verkaufen, doch das Produkt muss schon ein gutes Produkt sein. Sogar, wenn das Produkt einen sperrigen Zeichen- oder Erzählstil hat.

Im Bereich Storytelling machen die Verlage Fortschritte. Seit ca. 2 Jahre werden Redakteure in Storytelling geschult und neue Mitarbeiter mit Storytelling Erfahrung eingestellt, doch Storytelling ist nicht alles.

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Graphic Novel

Wie ist die GRAPHIC NOVEL zu retten?

Lerne den Leser und Markt kennen

In erster Linie muss man die Leser kennen. Ein Verlag, der die Vorlieben und die Wünsche der Leser nicht kennt, hat schon so gut wie verloren. Es hat schon einen Grund, warum Google, Amazon und Facebook Datensammlung auf höchsten Niveau durchführt. Was geschieht gerade auf den Markt? Welche Filme und TV Serien werden für die nächsten Jahre produziert? Beispiel, man kann sich gut an DISNEY orientieren, denn sie produzieren in 5 Jahres Intervalle. Gerade arbeiten sie an Filme, die erst im Jahr 2020 und 2021 erscheinen. Natürlich alles Top Secret, aber manchmal taucht hier und da eine Information auf. Die großen Trends werden heute gezielt gemacht. Sie entstehen nicht von alleine.

Was beschäftigt die Welt? Was beschäftigt die Menschen?

Es gibt Themen, die Menschen immer beschäftigen und interessieren. Es gibt zahlreiche Studien dazu und wer sich die Bestseller Listen von GFK/media control ansieht, kann schon einige Dauer-Trends erkennen. Comics bzw. Graphic Novels mit solchen Dauerbrenner Themen sollten man sich immer genau ansehen.

Nicht nur das Werk muss interessant sein

Ein gutes Buch bzw. Comic verkauft sich auch durch einen interessanten Autor bzw. Comiczeichner. Bei Graphic Novels, besonders autobiografischen Graphic Novels kann man damit gut punkten und für Interesse sorgen. Ist der Autor oder die Autorin auch noch fotogen und „sexy“, kann man direkt mit einigen TV Auftritten rechnen. Der  Pressebrief zur Graphic Novel erhält direkt ein hübsches Foto des Autors angehängt.

Das richtige Format, die richtige Preisgestaltung und der richtige Titel

In Sachen Format und Preisgestaltung sind Verlage hierzulande ziemlich gut geschult. Sie kennen die Regeln des Buchhandels und wissen genau wo sie am preiswertesten drucken können. Es gibt zahlreiche Regeln und Gesetze in Deutschland, die ein Verlag beachten muss. Ich sage da nur: Buchpreisbindungsgesetz

Wie eine Suchmaschine denken und handeln

Bei den Titeln fangen die Probleme an. Die guten und einfachen Titeln sind meistens schon vergeben und so fängt man an, kreativ zu sein. Zu große Kreativität kann aber eher alles kompliziert machen. Seit Suchmaschinen die Welt erobert haben, denken und handeln die meisten Menschen wie Suchmaschinen. Das kennt jeder von uns, wenn man etwas auf Google sucht. Man verwendet Keywords. Wer wissen will wie man Comics zeichnet, der gibt in die Suchleiste der Suchmaschine die Wörter „Comics zeichnen lernen“ ein.  Und genau nach diesem System sollten Titel für Comics und Mangas gemacht werden. Außerdem kann man da auch einige Tricks verwenden, denn Bücher Suchmaschinen oder Händler Verzeichnisse listen meistens Ergebnisse in alphabetischer Reihenfolge auf.

Menschen, nicht nur Leser, auch Buchhändler sind einfach gestrickt. Wegen Stress, Zeitnot und Unwissenheit nimmt man immer das Erstbeste. Man hat nicht die Zeit oder Nerv Werke nach Qualität zu untersuchen. Man verlässt sich immer auf die ersten Ergebnisse. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber in der Regel ist das so.

Der Preis

Das andere wichtige Kriterium, besonders bei Lesern, ist der Preis. Sie nehmen das Erstbeste und das Günstigste. Ein Buchhändler wird immer versuchen einen das teuerste Produkt anzudrehen, aber zum Schluss entscheidet der Leser bzw. Käufer.

Welche Graphic Novel soll ich meinen Freund zum Geburtstag schenken? Ich kenne mich da gar nicht aus. Hm, aber die hier sehen nicht schlecht aus. Hm, das hier kostet 29,90 Euro und ist genauso dick wie das hier, welches nur 19,90 Euro kostet. Ich nehm das für 19,90 Euro.

Der richtige Preis kann der entscheidende Auslöser sein. Man hört oft „das ist zu teuer“ und ja, ein Comic für ca. 30-50 Euro ist zu teuer. Es gibt viele vernünftige Argumente warum das Comic seine 30-50 Euro wert ist, aber Vernunft regiert nicht die Welt. Geld regiert die Welt. Ein gutes Taschenbuch oder eine Blu Ray kostet heutzutage zwischen 10-20 Euro. Wie soll man da konkurrieren? Verlage setzen auf Aufklärung. Sie wollen die Leser überzeugen, dass 30-50 Euro ein Comic wert ist. Man will aber nicht einen Comic lesen, sondern 10. Und bei 10 sind wir schon bei 300 bis 500 Euro. Das ist eine Summe, die weh tut und sich kaum einer so nebenbei für Comics – Entschuldigung – für Graphic Novels ausgeben kann.

Axterix, Lucky Luke, Lustiges Taschenbuch… das sind die erfolgreichen und meistverkauften Comics hierzulande. Die regulären Ausgaben kosten alle unter 10 Euro.

Der Carlsen Verlag versucht seine Graphic Novels als Paperback Ausgaben zu verkaufen. Eine gute Aktion, besonders für Lehrer, die vielleicht mal eine Graphic Novel mit der Schulklasse lesen wollen. Einige Verlage bieten Schul-Ausgaben ihrer Comics an.

Bindung zum Leser

Die meisten Verlage hierzulande haben den Social Media Trend verpasst. Am Anfang sahen die Comicverlage das „Internet“ sehr kritisch und skeptisch an. Jetzt müssen sie vieles aufholen. Das Internet und die Social Media Kanäle sind die besten Werkzeuge, um Leser an sich zu binden.

Doch da tut sich auch kaum wirklich was. Einmal oder zweimal am Tag etwas posten, reicht nicht. Ein Verlag muss eine Freundschaft zwischen sich und Leser aufbauen. Dem Verlag ein Gesicht geben. Wenn man Durst hat, würde man doch eher ein Glas Wasser von einen Freund annehmen anstatt von einem Fremden, oder?

Der Leser muss sich mit den Verlag identifizieren können. So wie es Apple, Nike, Disney etc. machen. Identifiziert man sich mit einer Marke, dann ist man willig diese Marke zu unterstützen. Produkte dieser Marke zu kaufen.

Zwischen Graphic Novels und Leser hat kaum einer hierzulande eine Bindung aufgebaut, oder es nicht geschafft. Die Verlage produzieren die Graphic Novels, verschicken dazu ihre Pressebriefe, versuchen Buchhändler davon zu überzeugen die Graphic Novels in die Regale zu stellen und spart sich die letzten Kraftreserven, um auf einer wichtigen Buchmesse eine Werbeaktion zu starten. Und da hört es auf. Aber eine Beziehung zwischen Verlag und Leser sollte eine intensive Dauerbeziehung sein, wo man immer im Dialog steht, Interesse für den Leser zeigt und den Leser zum Teil des Verlags macht. Das ist nicht leicht, das ist sogar sehr schwer. Man braucht fähige Leute dafür. Emotionale Intelligenz, Vitalität und Leidenschaft spielen da eine große Rolle. Leider sind die meisten Verlage, sogar die großen Verlage, unterbesetzt und viel zu viele Aufgaben an zu wenige Leute verteilt.

Einen großen Verlag zu führen ist eine unglaubliche Aufgabe, die kaum ein Leser, Zeichner und Autor nachvollziehen kann. Jeder Schritt, auch die kleinen Schritte, müssen überprüft, abgesegnet und kontrolliert werden, das zerstört jede Spontanität, die man normalerweise braucht, um die schnelllebige Kommunikation des Internets auszuführen. Deswegen muss sich ein Verlag einen ganz genaue Strategie ausdenken, wie sie mit der Leserschaft schnell und ständig kommunizieren kann. Und das außerhalb des Comicforums, denn das Comicforum ist ein unübersichtlicher Platz, wo wirklich nur die Hardcore Comicsammler und Leser ihren Weg hin finden. Das Medium des „normalen“ Lesers ist heutzutage Facebook, Instagram und Twitter.

Kämpft, um die Aufmerksamkeit und Plätze

Wer gewinnen will, muss kämpfen. Wer Käufer finden will, muss etwas dafür tun. Das bedeutet nicht, das man angeln gehen soll, denn die „wir angeln jetzt“ Strategie ist bei so viel Konkurrenz nicht mehr up-to-date. Verlage müssen sich die Aufmerksamkeit holen und die Leser unterhalten. Jeder Verlag muss seine eigene Strategie finden, sein eigenes Tempo und seine eigenen Stärken nutzen. Was bei CARLSEN funktioniert, ist vielleicht für EGMONT oder SPLITTER nicht das richtige. Und keine Angst vor Misserfolge, wenn es mit der ersten Strategie nicht klappt, dann probiert die nächste Strategie aus. Wichtig ist nur, klein und charmant zu denken. Es müssen nicht Tausende von Euros oder Stunden von Arbeit investiert werden. Manchmal reicht ein lustiges Foto aus dem Leben der Redaktion, um die Herzen der Leser zu erreichen und um eine Bindung aufzubauen.

Bei Graphic Novels und Leser hat man kaum eine Bindung gesehen. Es gab Präsentationen und Vorlese-Aktionen, aber diese waren oft sehr langweilig und schwermütig. Man verließ sich auf Pressearbeit und der Nachfrage der Leser, die leider immer kleiner wurde. Die Verlage waren so sehr mit der Suche nach neuen Stoffen und dem Drucken neuer Graphic Novels beschäftigt, das man den Leser außer Acht ließ. Sowas darf niemals passieren.

Bevor ein Comic, Manga oder eine Graphic Novel veröffentlicht wird, muss man für Promotion sorgen. Einen Dialog mit zukünftigen Lesern aufbauen. Sie bei Laune halten und an sich binden. Bis zum Tag X, wo die Leser es kaum aushalten, den Comic oder Manga endlich in Händen zu halten. Von Hollywood kann man lernen, denn sie bauen diese Bindung zwischen Zuschauer und Kinofilm auf. Beste Beispiele HERR DER RINGE, STAR WARS oder HARRY POTTER.

Ehrlichkeit

Wichtig bei der Promotion ist Ehrlichkeit. Mitarbeiter müssen wirklich das Medium lieben und dahinter stehen. Sie müssen den Lesern das Gefühl geben, man ist auch ein Leser und einer von ihnen. Und man muss wirklich einer von ihnen sein. Ein Comic ist nicht nur ein Produkt.

Und man muss zu den Lesern hin, nicht warten, das sie zu den Buchhandlungen und Buchmessen von selbst finden. Man muss Wege suchen und finden, um in ihren Alltag einen festen Platz zu haben. Zukünftigen Lesern Dinge schenken, die sie im Alltag benutzen können und sie an die Graphic Novels erinnern. Graphic Novels Leseproben in der Deutschen Bahn, im Wartezimmer beim Arzt… wer sich keinen Druck leisten kann, druckt Poster und Flyer mit QR Code zu Leseproben und zu einer Möglichkeit direkt das Werk digital zu kaufen. Kreativität ist jetzt gefragt.

Ich gehöre zu den Leuten, die direkt am Anfang sagen: „So, wir haben genau 100 Euro Kapital und wir müssen 100 000 Menschen erreichen und mindestens 5000 Käufer finden. Wie machen wir das?“ Das sind die Herausforderungen.

Als Verlag muss man um die Plätze in den Buchhandlungen kämpfen. Man muss Wege finden die Buchhändler davon zu überzeugen, die eigenen Graphic Novels vorne hinzustellen anstatt die Graphic Novels der Konkurrenz. Hier müssen fähige Verkäufer in Aktion treten. Im Moment wandelt sich der Buchhandel. Große Buchhandlungen verändern ihre ganzen Systeme. Am Ende wird man auf kollektive Auswahlsysteme greifen. Amazon macht es gerade vor und Buchhändler kopieren gerade die Erfolgskonzepte von Amazon Buch Stores. Buchhändler werden bald mit tragbaren Kassen in der Buchhandlung direkt auf die Besucher zugehen. Die Infopoints werden verschwinden etc.

Die Auswahl der Bücher, die in den Regalen stehen werden, werden durch die Zentrale bestimmt werden. Es werden natürlich die üblichen Bestseller den Weg nach vorne ins Regal finden, aber hier müssen Verlage ansetzen und für eine gute Zusammenarbeit mit Buchhändlern sorgen.

Weniger ist mehr

Eine Graphic Novel zu verlegen ist eine schwierige Aufgabe, deswegen sollte man sich lieber nur mit 1-3 Graphic Novels anstatt mit 5 bis 15 Graphic Novels beschäftigen. So kann man effektiver Kraft, Zeit und Geld in die Herstellung, Vertrieb und Promotion stecken. 5 bis 10 Graphic Novels zu betreuen ist für eine Handvoll Mitarbeiter eine unmögliche Aufgabe, wenn noch viele andere Verlagsaufgaben auf den Tisch warten. Wer mehr Titel verlegen will, der muss direkt auch mehr Leute einstellen.

Qualität hat seinen Preis

Auf jeden Fall sollte die Graphic Novel inhaltlich und optisch von höchster Qualität sein. Es muss in sich stimmig sein und auch für Nicht-Comicleser leicht zu lesen sein. Die Graphic Novel muss eine Bildsprache besitzen, die verständlich ist und der Leser nicht zuerst erlernen muss. Deswegen muss man eine Graphic Novel auch immer aus den Augen eines Lesers betrachten.

Ich warte immer noch auf eine tiefsinnige Graphic Novel im Donald Duck Zeichenstil. Im Lustigen Taschenbuch Format und für 9,99 Euro. Es kann s/w sein und auch weniger Seiten haben als ein LTB. Das wäre sicher nicht nur optisch der Hit, sondern könnte ganz neue Lesergruppen eröffnen.

FAZIT

Es ist nicht das Ende der Graphic Novels und Fehler machen gehört zum Leben. Auch in der Wirtschaft. Aus Fehlern kann man lernen und oft eröffnen sich so ganz neue Möglichkeiten. Mut für Experimente, doch dabei nicht das Leben riskieren. Bei Egmont tut sich jetzt was. Neue Redakteure, der komplette Umzug nach Berlin und zahlreiche weitere Veränderungen werden sich sicher positiv auf die Verlagsarbeit auswirken. Nicht nur ich bin gespannt, sondern die ganze Comiczeichner Szene.

nennmichkai
Comic Stipendium Gewinner

Traurig und als absoluten Fehler sehe ich die Abschaffung des  EGMONT COMIC STIPENDIUMS an. Diese Nachricht fand ich sogar schlimmer als die Graphic Novel Pleite, denn dieses Stipendium war nicht nur ein einfacher Preis. Es war das Symbol der Hoffnung und Wertschätzung an deutsche Zeichner. Eine Chance für Nachwuchszeichner ihre Talente zu messen und einen Job zu finden.

Comiczeichner Förderung in Deutschland ist kaum vorhanden. Die großen Verlage wie CARLSEN und TOKYOPOP machen in dieser Hinsicht nichts bis kaum etwas. Aber als der EGMONT Verlag das COMIC STIPENDIUM ins Leben rief, war das ein großes Zeichen. Mehr als ein Zeichen, denn durch das Stipendium wurden Zeichner motiviert sich zu verbessern, das Beste aus sich herauszuholen und ein Ziel zu haben.

Es tat dem Selbstwertgefühl der Nachwuchszeichner gut, denn sie spürten, da ist ein großer Verlag, der sich wirklich Gedanken über uns macht und das Medium COMIC MADE IN GERMANY fördert.

Die Welt braucht Symbole und Comiczeichner in Deutschland brauchen solche Symbole, denn sie haben es nicht leicht. Ich hoffe, das COMIC STIPENDIUM kehrt auf irgendeine Weise wieder zurück, denn es wird wirklich gebraucht.

Offizielle Website Egmont Graphic Novel http://www.egmont-graphic-novel.de/

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