Black Panther – mehr als nur ein Marvel-Actionkracher

Black Panther – ein neuer schwarzer Held für ein neues Jahrtausend? „I have a dream“, diese berühmten Worte aus der Rede von Martin Luther King kennt wohl jeder. In seiner Rede sprach er von seinem Traum, dass es eines Tages in den USA eine echte Gleichberechtigung zwischen Schwarzen und Weißen geben wird. Heute, gut fünfzig Jahre später, ist diese Gleichberechtigung auf dem Papier zwar vorhanden, aber in den USA werden Schwarze noch immer diskriminiert.

Als Folge dieser andauernden Diskriminierung kam bereits vor der berühmten Rede Kings eine Bewegung auf, die allerdings erst in den 1990ern einen Namen bekam: der Afrofuturismus. Und diese Bewegung hat nun mit dem neuesten Marvel-Comicfilm „Black Panther“ endgültig ihren Weg in den Mainstream gefunden. Aber fangen wir am besten ganz vorne an.

Was ist Afrofuturimus?

Der Begriff „Afrofuturismus“ wurde 1993 durch den amerikanischen Autor und Gesellschaftskritiker Mark Dery geprägt. Er beschrieb damit eine Bewegung, die bereits in den 1950ern mit der Musik des Afroamerikaners Sun Ra ihren Anfang genommen hatte: Die Vermischung von historischen, Fantasy- und Science-Fiction-Elementen zu einem – oft utopisch angehauchten – Bild der Zukunft für Schwarze. Auf diese Weise sollten nicht nur die alltäglichen Probleme der schwarzen Bevölkerung in den USA aufgegriffen werden. Zusätzlich wurde auch historische Ereignisse in einem neuen Licht betrachtet.

Ein zentrales Thema war und ist dabei die Entfremdung und das Fehlen kultureller Wurzeln – ein Problem, mit dem viele Schwarze in den USA aufgrund der Sklaverei und ihrer Folgen zu kämpfen hatten und haben.

Und was hat das mit Black Panther zu tun?

Die Comicfigur Black Panther entstand bereits 1966, also zur Hochzeit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und zufälligerweise im gleichen Jahr, in dem sich die militante „Black Panther Party“ gründete. Anfangs war die Figur aber praktisch vollkommen unpolitisch, auch wenn bestimmte Elemente des Afrofuturismus bereits hier erkennbar waren. So wurde Wakanda, das fiktive afrikanische Heimatland des Helden T’Challa, als ein Ort beschrieben, der der Kolonialisierung durch die Europäer entging und sich so ungestört zu einem modernen, unabhängigen und eigenständigen afrikanischen Staat entwickeln konnte. Der große Erfolg blieb der Figur aber zunächst verwehrt, denn durch den ähnlichen Namen rückten viele die Reihe in die Nähe der militanten Schwarzenbewegung, was wiederum zu Verunsicherung bei Marvel führte.

Erst ab 1998 setzte Marvel wieder stärker auf die Comicfigur Black Panther, die dabei weiter in Richtung Afrofuturismus rückte. Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war der schwarze Autor Christopher Priest, der sowohl die Hintergrundgeschichte als auch den Charakter selbst stark ausbaute und der Comicreihe so zu finanziellem Erfolg verhalf.

Black Panther
Foto Copyright MARVEL 2018

Vom Comic zum Film – und in den Mainstream

Trotz des neuen Erfolgs, den Black Panther dank der Geschichten von Christopher Priest hatte, blieb die Figur jedoch stets ein „Nischenprodukt“. Mit dem Film zur Comicreihe ändert sich das nun, denn mit Ryan Cooglers fulminantem Action-Feuerwerk ist der Afrofuturismus im Mainstream angekommen.

Coogler hat dafür das perfekte Vehikel gewählt: eine Comicverfilmung. Denn die Streifen, die im sogenannten „Marvel Cinematic Universe“ (MCU) spielen, sind praktisch garantierte Kassenschlager, sodass er sich sicher sein konnte, eine breite Öffentlichkeit mit seinem Film zu erreichen.

Natürlich ist Cooglers Film kein politisches Manifest, das dem Zuschauer gegenüber belehrend den Zeigefinger hebt – Verfolgungsjagden, Action-Sequenzen und ein Haufen erstklassiger CGI-Effekte machen ihn eindeutig zu einem Vertreter des Popcorn-Kinos. Trotzdem unterscheidet er sich deutlich von den sonstigen Filmen des MCU. Das fängt schon damit an, dass Black Panther nicht, wie sonst bei den Filmen von Marvel üblich, in den USA spielt, sondern in Afrika. Bei der Besetzung sind schwarze Schauspieler eindeutig in der Überzahl, Regisseur und Drehbuchautor sind ebenfalls schwarz.

Die Kostüme orientieren sich an verschiedenen klassischen Stammesgewändern und verbinden Elemente davon gekonnt mit modernen Designs. Und wo wir gerade bei modern sind: Das gilt auch für das Frauenbild, das im Film transportiert wird. Von der königlichen Garde über das Technik-Genie bis hin zu Black Panthers Ex-Freundin strotzt der Film nur so vor starken Frauen, die ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen.

Eine kleine Revolution im Filmgeschäft

Dass dieses neue „schwarze Kino“ beim Publikum ankommt, wird angesichts der Besucherzahlen mehr als deutlich. In den USA zählt Black Panther zu den erfolgreichsten Comicverfilmungen überhaupt. Aber – und das ist das Besondere – der Film ist nicht nur in den USA und in Europa ein Erfolg, auch in Afrika strömen die Menschen in die Säle, um diese neue Vision des schwarzen Kinos zu erleben.

Das allein macht den Film zu etwas Außergewöhnlichem, ja geradezu Revolutionärem, denn im Gegensatz zu den Blacksploitation-Filmen aus den 1970ern wird bei Black Panther eine schwarze Zukunftsvision gezeigt, die auf Augenhöhe mit der westlichen Welt steht und sich von dieser nicht vereinnahmen oder beeinflussen lässt. Dank des Erfolgs könnte Coogler damit einen Trend losgetreten haben – ob das Ganze Bestand hat oder nur ein Strohfeuer war, muss sich allerdings erst noch zeigen.

In Deutschland ist der Film ähnlich erfolgreich wie in den USA, eine breite gesellschaftliche Diskussion über Rassismus und Diskriminierung hat er jedoch nicht ausgelöst – auch wenn sich das manch einer angesichts des politischen und gesellschaftlichen Klimas wünschen würde.

Foto Copyright MARVEL 2018

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